Tradition und Innovation – das ist kein Widerspruch, sondern die Basis für neue Entdeckungen.

Unter der fachkundigen Leitung unseres Weinordensbruders und Sommeliers Georg Seitz hat sich unser Weinorden einem Thema gewidmet, das derzeit nicht nur die Branche bewegt, sondern auch unsere Sinne herausfordert: die Welt der entalkoholisierten Weine. Von spritzigen Schaumweinen über filigrane Rosés bis hin zu verschiedenen Stillweinen – wir haben probiert, analysiert und diskutiert. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse unseres Abends.

Der heimliche Gewinner: Schaumwein
Ein Fazit stand schnell fest: Der Schaumwein überzeugte durch eine bemerkenswerte Frische. Warum? Die Kohlensäure übernimmt hier eine wichtige Aufgabe: Sie kompensiert den fehlenden Körper des Alkohols und sorgt für ein lebendiges Mundgefühl, das bei stillen Weinen oft schwieriger zu erreichen ist. Bei den roten Vertretern hingegen zeigte sich, dass diese sensorisch deutlich mehr Herausforderungen mitbringen und im Rahmen unserer Probe nicht als Favoriten hervorgingen.

Die Stars im Glas: Rebsorten-Eignung
Nicht jeder Wein eignet sich gleich gut für den Prozess der Dealkoholisierung. Unsere Verkostung zeigte klar: Aromatische Rebsorten wie Riesling und Sauvignon Blanc gewinnen das Rennen. Sie besitzen genug Eigensubstanz, um auch nach dem Entzug des Alkohols Charakter und Struktur zu bewahren.

Hinter den Kulissen: Technik und Historie
Wie kommt der Alkohol eigentlich aus dem Wein? Wir tauchten tiefer in die technische Materie ein: Die Verfahren: Ob Vakuumdestillation (bei schonenden 30 Grad) oder Umkehrosmose – moderne Verfahren setzen alles daran, die flüchtigen Aromen zu bewahren und später wieder in den Wein zurückzuführen.

Logistik & Qualität:
Da die Anlagen für die Dealkoholisierung extrem komplex und teuer sind, setzen fast alle Weingüter auf spezialisierte Dienstleister. Ein spannendes Detail: Selbst in kleinen Chargen wird hier mit höchster Präzision gearbeitet.

Pioniere & Experten:
Die Region ist hier ein Vorreiter. Die Firma Carl Jung in Rüdesheim gilt als Pionier, die bereits seit etwa 100 Jahren Erfahrung in der Herstellung entalkoholisierter Weine besitzt. Ebenso ist das Unternehmen Trautwein heute eine zentrale Adresse: Sie haben sich auf die Dealkoholisierung spezialisiert und verfügen über eine der größten Anlagen der Region.

Sensorik: Wenn „weniger“ mehr fordert
Der Alkoholentzug hat Konsequenzen: Es fehlt die wohlige Wärme und das Volumen, das wir an Wein so schätzen. Oft wirken alkoholfreie Weine dadurch „trockener“, als sie eigentlich sind. Ein gewisser Restzuckergehalt ist daher oft notwendig, um Balance zu schaffen – ohne dass dies automatisch eine Kalorienbombe bedeutet.

Ein spannender Abend, der gezeigt hat: Auch ohne Prozente bleibt das Thema Wein eine Welt voller Nuancen und Entdeckungen.

Die nächsten Seminare stehen schon fest. Am 21.04.2026 geht es um die Grundlagen der sensorischen Weindegustation und am 02.06.2026 Nahe gegen den Rest der Welt. Es bleibt also spannend.

IN VINO VIGOR.